Bindemittel im Gefahrguttest

So. 24.04.2016 - Der Winter eignet sich besonders gut für Innendienste, an welchen wir gerne auch mal Chemipraktika durchführen.

Wir als freiwilliges Team von Helfern aus den verschiedensten Berufsgruppen haben das Glück für fast alle Fälle Experten in unseren Reihen zu haben.
So auch für die Thematik "Umgang und Tests mit verschiedenen chemischen Substanzen".
Aus gegebenen Anlass wollten wir prüfen, was verschiedene Bindemittelsorten bewirken, wie man sie einsetzen kann und welche Gefahren bestehen.

In unserem Test haben den Chemikalienbinder "Uni-Safe", vorwiegend bekannt aus unserem ABC Zug, und "Absodan", vorwiegend bekannt aus unseren freiwilligen Feuerwehren für Ölspuren, genauer unter die Lupe genommen.

Vorweg kann man sagen, dass sich Uni-Safe durch seine Feinheit (Konsistenz wie Mehl) und den enthaltenen pH-Wert Indikator auszeichnet (Laugen färben das grüne Mittel lila, Säuren färben das Mittel gelb).
Absodan zeichnet sich durch seine große Saugkraft gegenüber Flüssigkeiten, insbesondere auch Ölen aus. Zusätzlich ist es im Vergleich 2:8 günstiger als Uni-Safe.

Das Bindemittel Uni-Safe wurde durch einen Kameraden unseres Teams in Laborversuchen genauer untersucht.

Definition: „Organische und Anorganische Substanzen“
Substanzen in denen Kohlenstoff in Verbindung mit Wasserstoff enthalten ist, werden als „organisch“ bezeichnet.
Beispiele: Öl, Kraftstoffe, Lösemittel

Als anorganische Verbindungen werden traditionell die Elemente, und alle Verbindungen gezählt, die keine Kohlenwasserstoff-Verbindung enthalten.
Beispiele: Salzsäure, Schwefelsäure, Natronlauge, Kalilauge, Blausäure, Kohlensäure

Erfahrungen und Tests mit dem Chemikalienbinder Uni-Safe


  • Die Aufnahmekapazität von Wasser mit pH-Wert zwischen 6-8 liegt bei ca. 50 Liter pro Kilogramm

  • Die Aufnahmekapazität von alkalischen Lösungen mit pH-Wert von 8-14 liegt bei ca. 20 Liter pro Kilogramm, Farbumschlag des Pulvers ist von grün zu lila

  • Die Aufnahmekapazität von sauren Lösungen mit pH-Wert von 1-6 liegt bei ca. 0,8 Liter pro Kilogramm, Farbumschlag des Pulvers ist von grün zu gelb

  • Der Chemiekalienbinder selbst hat einen pH-Wert von 8 in Wasser.
    Das pH-Papier zeigt aber deutlich höher an, weil der Binder den Indikator des Papiers stark beeinflusst.

  • Der Binder ist komplett ungeeignet für organische Flüssigkeiten, somit nicht verwendbar für Öl, Kraftstoffe, Lösemittel oder Alkohole und organische Säuren wie Essigsäure

  • Organische Flüssigkeiten beeinträchtigen die Aufnahmekapazität so stark das unter Umständen keine Flüssigkeit mehr absorbiert wird auch kein Wasser


Feldversuch
Aufgrund eines vorhergehenden Einsatzes mit dem Austritt einer Salzsäurelösung fragten wir uns, wie man die Aufnahmekapazität von Uni-Safe im Säureeinsatz von 0,8 Liter pro Kilogramm signifikant erhöhen kann.
Nach verschiedenen Versuchen im Schulungsdienst mit Absodan und Uni-Safe kam die Idee einer Mischung, um beide Vorteile zu vereinen.
Das Fazit war, dass bei einer Säurelösung das Absodan die Flüssigkeit schnell und zuverlässig gebunden hat, Uni-Safe ebenfalls einen Teil bindet und den Flächennachweis auf Kontamination erlaubt.

Gefahrgen von Bindemitteln
Ein anderes kürzlich aufgetretenes Szenario war ein Austritt einer Ammoniak-Lösung. Ammoniak bindet sich sehr stark an Wassermoleküle, wodurch die Konzentration der Umgebungsluft verringert wird. Leichte Dämpfe in der Umgebungsluft, führen zu deutlich detektierbaren Kontaminationen von feuchten Oberflächen und Wasserpfützen. Exakt diese Eigenschaften wollten wir einmal im Bezug auf Bindemittel prüfen.
Hierfür wurde die Schulung aufgrund der möglichen Gefahr entsprechend ins Freie verlegt. In einem Marmeladenglas befand sich eine Ammoniaklösung, also Wasser mit zugesetzten Ammoniak.
Durch die Zugabe von Bindemittelgemisch wurde schlagartig das Wasser in der Lösung absorbiert und das Ammoniak-Gas freigesetzt.
Im Bezug auf die Ausbreitung einer Gefahrgutlage war dieser Versuch eine negative Erfahrung, die es uns aber erlaubt jetzt nachhaltiger und sicherer mit Bindemitteln umzugehen.



Einsatztaktische Erkenntnis
Im Gefahrguteinsatz sind immer die örtliche Wehr oder sogar mehrere Wehren, sowie Spezialeinheiten eingebunden. Um entsprechende Eindeichungen vorzunehmen muss nicht immer auf den Nachschub eines LZ-G gewartet werden, sondern kann auch auf bewährte Mittel der freiwilligen Feuerwehren zurück gegriffen werden.
Besonders wichtig ist jedoch, dass es sich um einen Öl- und Chemikalienbinder wie Absodan handelt und nicht nur um einen organischen Ölbinder. Eine Verwechslung könnte schwerwiegende Folgen (Stoffreaktionen) haben.
Aus diesem Grund sollte der Einsatz des Bindemittels vorher von den Spezialkräften freigegeben werden.

Eine Mischung spezieller Bindemittel und allgemeinerer Bindemittel kann Sinn machen, sollte aber nicht grundsätzlich durchgeführt werden. Unser Versuch hat jedoch gezeigt, dass Kombinationen bspw. beim Eindeichen zur Kontrolle eines Austritts aus dem Deich oder bei Flächenkontaminationen sinnvoll sein können.
Jedoch sollte stets zuerst die Stoffgruppe ermittelt werden, damit das richtige Bindemittel in der richtigen Menge am richtigen Ort eingesetzt werden kann.

Links:
Uni-Safe
Absodan